In der Großstadt angekommen, steigen wir aus dem Wagen. Ich verlasse das Auge, weil ich plötzlich jemanden suchen möchte. Urplötzlich erinnere ich mich daran, mich mit Marc, einer meiner Freunde, verabredet zu haben. Ein Gruppe von Leuten kommt mir in der menschenleeren Straße entgegen und obwohl sie mir auf den ersten Moment völlig fremd erschienen sind, kenne ich sie plötzlich. Auch sie sind mit Marc befreundet und wir beschließen, ihn in der öden und stillen Stadt zu suchen.
Die Stadt ist in keiner Weise mit einer Stadt in meiner früheren Welt zu vergleichen. Riesige, hässliche Hochhäuser scheinen um ein kleines Stück wolkenverhangenen Himmels zu kämpfen und überall ist der graue Beton mit halb verwitterten Plakaten übersät, aus denen der Regen schon lange die Farbe ausgewaschen hat. Die meisten der Hochhäuser stehen leer. Nur wenige werden zu einem geringen Teil genutzt. Wieso das so ist, weiß ich nicht.
Ich folge also der Gruppe, da wir zunächst einmal jenen Nachtclub besuchen wollen, den Marc am liebsten besuchte. Es ist im Grunde eher ein Pub als ein Club. Marc besuchte ihn besonders gerne, wenn Quiz-Tag ist. All diese “Erinnerungen” kommen mir plötzlich vor mein geistiges Auge, obwohl ich nicht einmal sicher bin, ob es tatsächlich Erinnerungen sind, oder ob der Ort mit mir Spiel, so wie es die Vorstadt tat.
Dann dreht sich einer der Männer um und ruft mir zu: “Schau du doch bitte mal in diesem Hochhaus nach; dort wurde er zuletzt gesehen. Wir suchen ihn im Club!”
Ich mache also kehrt und betrete das unverschlossene Hochhaus. Im Inneren angekommen werde ich auf wundersamer Weise in den obersten Stock gesogen. Ich befinde mich in einem sehr engen Raum, der mich auf unheilvoller Weise an ein Krankenhaus erinnert. Vor mir steht ein blutbefleckter Rollstuhl. Gegenüber befindet sich ein Aufzug und rechts von mir eine kleine Tür. Das muss wohl das Treppenhaus sein, schätze ich. Ich sehe nach. Bitter werde ich enttäuscht. Es ist ein Abstellraum, in welchem ebenso blutbefleckte, weiße Kittel hängen, ein Besen und eine mit Urinstein übersäte Toilette steht.
Schnell wird mir klar, dass der Fahrstuhl den einzigen Weg zurück darstellt und folglich betrete ich ihn. Zu meinem großen Erstaunen gibt es jedoch nur zwei Schalter: Einen, um die Tür aufzuhalten, der zweite, um in das Erdgeschoss zu fahren. Ich frage mich jetzt natürlich, ob das gewaltig ausschauende Hochhaus im Inneren hohl ist und lediglich dieses kleine oberste Stockwerk sowie das Erdgeschoss als bewohnbare Ebenen aufweist, drücke dann aber den Knopf, der mich in das Erdgeschoss fahren soll. Marc finde ich hier ohnehin nicht. Die Aufzugstür schließt sich. Dann beginnt der Albtraum.
Der Fahrstuhl ruckelt zunächst ein wenig, dann wird das Ruckeln zunehmend stärker, bis es derart heftig wird, dass ich mich nicht länger auf den Beinen halten kann. Die Aufzugseile beginnen zu reißen. Ein lauter Knall und ich falle. Jetzt passiert das Unmögliche. Der Aufzug dreht sich horizontal um volle dreihundertsechzig Grad, ich werde mit voller Wucht gegen die Aufzugwände gestoßen und dann, sowie der Schrecken den Apex des Wahnsinns erreicht hat, bleibt er mit einem weiteren lauten Knall aufrecht stehen und die Aufzugtür wird ob des immensen Schlags aufgesprengt. Wie durch ein Wunder ist mir nichts passiert, doch ich bin schweißgebadet. Nachdem ich den Aufzug und schließlich das Foyer des Hauses verlassen habe, trete ich in die kühle Nachtluft. Es regnet. Dann sehe ich ihn: Marc.
